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Aufschieben: Was Sie wissen müssen und wie Sie in Zukunft unangenehme Aufgaben sofort erledigen

picuture by Dijm Loic

Eigentlich müsste ich genau jetzt die Quartalsabrechnung für das Finanzamt fertig machen. Aber dann kam mir die Idee für den Text. Und diesen zu schreiben ist doch genau jetzt viel wichtiger. Die Rechnungen laufen mir schließlich nicht weg, meine Idee schon…

Ich sitze in meinem Büro. Es ist einer der ersten Frühlingstage. Die Sonne scheint zu meinem Fenster herein und schreit mich an:“ Komm raus. Setz dich ins Grüne und genieße den schönen Tag.“

Es ist 9:48 Uhr. 7:53 Uhr habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt. Die Unterlagen müssen heute fertig werden. Bis 15 Uhr. Dann ist der Termin mit Frau Hoffmann.
Und jetzt?
Jetzt ist es 9:48 Uhr. Ich sitze vor einem riesigen Stapel Rechnungen und fühle mich erschlagen. Mein Handy klingelt. Nach 5 Minuten lege ich auf und schreibe eine kurze Mail. Die fünfte heute früh. Mein Postfach habe ich gut abgearbeitet. Aber das war ja gar nicht mein Plan für heute Vormittag. Der war doch für die Steuer vorgesehen.
Mein Handy vibriert. Eine Nachricht…
Stimmt, ich wollte doch heute Abend endlich einmal wieder etwas mit Laura unternehmen. „Was könnte man denn machen…?“ Die Suchmaschine meines Vertrauens hilft da bestimmt weiter…. Erledigt.

Und jetzt?
Jetzt ist es 10.03 Uhr. Und ich sollte nun endlich mal anfangen…



Diese Zeitdiebe rauben uns täglich mindestens 2 Stunden

#1 Moderne Medien

Der mit Abstand größte Zeitfresser sind unsere modernen Medien, Smartphone, Internet, Social Media und Co.
Hier ein paar Zahlen:

  • 80% verklicken geschätzt 2-3 Stunden des Arbeitstages beim Surfen im Internet
  • Wir verbringen durchschnittlich 31,5 Stunden pro Woche mit der digitalen Post.
  •  Mehr als ¼ der Bevölkerung hängt täglich mehr als 61 Minuten am Smartphone.


Die Ausprägungen und Zeiten der digitalen Ablenkung sind dabei je nach Alter und Beruf sehr variabel.

Fakt ist: Die glitzernde digitale Welt raubt uns sehr viel wertvolle Zeit.


#2 Inhaltsleere Meetings

Hand aufs Herz: Wie viel Zeit verbringen Sie in Meetings, deren reeller Informationsaustausch gerade einmal 50% der Zeit beansprucht hätte?
Durch sinnvoll geplante und strukturierte Meetings lässt sich einiges an Zeit sparen.


#3 Kommunikation

So wichtig die zwischenmenschliche Kommunikation ist, so sehr lenkt sie uns auch von der eigentlichen Aufgabe ab. Der nette Austausch auf dem Weg zum Kaffee kostet am Tag im Durchschnitt 1 Stunde.

#4 Helfersyndrom

Immer für eine Auskunft zur Verfügung stehen ist gut gemeint, raubt Ihnen aber wertvolle Zeit. Den Mitarbeitern die Aufgabe abnehmen, weil Sie sie doch viel schneller lösen können, auch.

#5 Suchen

Der prall gefüllte Schreibtisch ist ein weiterer beliebter Zeitdieb und zumindest bei mir ein gutes Zeichen für Vermeidungsstrategien, wenn er super aufgeräumt ist.




Das ist alles nichts Neues und gerade die Pflege zwischenmenschlicher Kontakte ja ein elementares Grundbedürfnis. Wir wissen doch, was uns gerade von der eigentlichen Aufgabe abhält.

Und das ist auch schon der Kern des Problems. bzw. der Auslöser. Die Zeitdiebe wären ja keine Zeitdiebe, wenn wir uns die Zeit nicht stehlen lassen würden. Das Gegenteil ist ja meist der Fall. Wir suchen bewusst die Ablenkung, um die Aufgabe hinauszuzögern.

Meine Wohnung war selten so ordentlich, wie zu Prüfungszeiten im Studium.


Prokrastination heißt der Fachbegriff.
Spannend, das mein Aufschieben einen ganz eigenen psychologischen Fachbegriff hat, der sich aus pro („für“) und cras („morgen“) zusammensetzt. Das lässt sich auch viel besser verkaufen.
„Wolltest du nicht eigentlich…?“
„Ja, ich habe stattdessen prokrastiniert. Das hielt ich für sinnvoller.“
Klingt viel besser als“ Ich hatte keine Lust und habe es mal wieder verschoben“. Versuchen Sie es mal und sagen Sie mir, welche Reaktionen es gab.

Laut dem amerikanischen Psychologen Joseph Ferrari leiden rund 20% der Menschen unter Zerstreuung und Aufschieberitis.


Aufschieben hat körperliche Folgen

Der Kreislauf ist immer ähnlich. Wenn die Steuererklärung ansteht, sind plötzlich alle Mails beantwortet, der Hund hat schon keine Lust mehr auf Gassi gehen und sämtliche Social Media Profile sind auf dem aktuellsten Stand.
Ach ja und ich weiß jetzt, wie man Häkeldeko für Laternenmasten herstellt.

Aufschieben hat körperliche Folgen

Die Folgen sind auch klar. Durch die Ablenkung wird die lästige Aufgabe weggeschoben. Das schlechte Gefühl, die notwendige Steuererklärung nicht gemacht zu haben, lässt sich aber nicht mit wegschieben. Es potenziert sich. Wird dies nur lange genug wiederholt, kann so eine Prokrastination körperliche Folgen, wie innere Unruhe oder Schlafstörungen haben.


Dass das nicht zielführend ist, wissen wir.

 

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