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Was Superman mit Kongruenz und den Alpen zu tun hat ? Oder: das passende Mindset für mehr Erfolg

Es ist der erste Beitrag nach der Sommerpause. Wie bei vielen Dingen, brauche ich auch hier erst wieder die Routine fürs bloggen. Ich weiß um dem Wert einer wirklich ausgedehnten freien Zeit erst seit dem vergangen Jahr. Einfach mal nicht arbeiten, keine Termine, Reisen nur aus privaten Gründen mit der Möglichkeit die Orte und Menschen vollkommen zu genießen. Einfach mal die Seele baumeln lassen. Genau diese Zeit ist es auch, die ein Wachsen ermöglicht. Oder ein zu sich finden. Das geht in dem ganzen Gerenne des Alltags viel zu schnell verloren.

Und so hatte ich diesen Sommer ein Erlebnis, das mich nachhaltig beeindruckt hat.

In Vorbereitung auf den Mountainbikeurlaub mit meinem Partner in den Alpen bekam ich zum Geburtstag einen 3- tägigen Technik-Fahrkurs in den österreichischen Alpen geschenkt. Ein Bike-Camp. Natürlich geht es bei einem Bike-Camp in den Alpen darum genau diese herunter zu fahren. Ich betreibe den Sport seit ca. 3 Jahren. Ganz klar würde ich mich bei der Sektion übervorsichtig, lieber-ein-wenig-mehr-Schutzausrüstung oder ich-schieb-hier-mal-lieber-das-kann-ich nicht einordnen. Gerade die letzte Einstellung macht es in den Alpen recht schwierig. Da kann man als Flachlandindianerin gefühlt überall schieben.

Nun bin ich zwar kein risikofreudiger Mensch, aber Softskill-Trainerin. Also warum nicht, die Tipps, die ich meinen Teilnehmer*innen und Coachees predige selbst einmal mehr anwenden.

  1. Das Mindset bestimmt die Grenzen
  2. Nutze den Körper, um deine Stimmung zu steuern


„Schlimmer werden kann es ja nicht. Ich stecke ja jetzt eh in der Situation.“
Genau diese Ausgangslage ist es, die mich dazu veranlasst in den Trainings oder Coachings die beiden Tipps mit den entsprechenden Techniken weiter zu geben. Oft ist die Situation verfahren. Es gibt eine*n schwierige*n Mitarbeiter*in oder Führungskraft. Meist scheint kein Ausweg in Sicht. Es geht weder vor noch zurück. Gern auch beim Thema neue Arbeitswelt. Dort, wo traditionelles und neues Werteverständnis aufeinander trifft, braucht es viel Mut und Kraft, um eine Veränderung zu erzeugen. Meist endet das in Resignation oder Angriff. Beide Varianten sind für ein produktives und vor allem menschliches Arbeitsverhältnis nicht sonderlich vorteilhaft und auch wenn es meist nicht so aussieht, leiden beide Parteien darunter.

Dort, wo traditionelles und neues Werteverständnis aufeinander trifft, braucht es viel Mut und Kraft, um eine Veränderung zu erzeugen.

Also hilft nur die Flucht nach vorn. Nicht zum Angriff, sondern hin zur Veränderung. Und zwar bei sich selbst. Ich bin wahrlich keine Freundin von abgedroschenen Sprichwörtern und doch ist das „ändere nicht den anderen, sondern sich selbst“ der Schlüssel für so viele Situationen. Also warum nicht, die Tipps, die ich meinen Teilnehmer*innen und Coachees predige selbst einmal mehr anwenden.

Tipp # 1: Das Mindset bestimmt die Grenzen


Wie oft denken wir, „hier geht es nicht mehr weiter“, „hier gibt es keinen Ausweg“, „ich habe hier schon alles versucht“, „das kann/ schaffe ich nicht“?
Letzteres war übrigens mein Mindset bei der Abfahrt die Alpen herab.
Bringen dich diese Gedanken irgendwie weiter? Helfen sie die Situation zu verbessern oder wenigstens zu verändern? Du ahnst es schon…
NEIN. Natürlich nicht. Das einzige was diese Gedanken/ Einstellungen können, sind begrenzen. Ja, riesengroße Mauern bauen. Das können diese Mindsets.

Warum bist du, bin ich dann trotzdem in fordernden Situationen so schnell in dem Denken?

Weil es einfach ist…
Es ist doch viel einfacher sich damit zu rechtfertigen, dass man das eh nicht kann oder hier schon alles versucht hat. „Ist eben so.“ „Dumm gelaufen, aber damit muss man sich abfinden.“
Klar, unser Gehirn/ unsere Psyche hat auch keinen Bock auf Anstrengung. Vor allem nicht, wenn es diese Persönlichkeitsarbeit nicht gewohnt ist. Das ist wie der Gang ins Fitnessstudio zum neuen Jahr. Die Anmeldung ist schnell unterschrieben, die schicken Sportsachen gekauft und auch das erste Training absolviert man hoch motiviert. Aber spätestens beim ersten Muskelkater 2 Tage danach, wenn einem der Körper so richtig deutlich macht, dass man schon bessere Ideen hatte, sinkt die Motivation erst einmal ins Negative sich der Tortur noch ein weiteres Mal zu unterziehen. Unsere Psyche funktioniert ähnlich. Wir haben alle lang gebraucht uns eine Welt zu kreieren, in der wir im Umgang mit uns selbst und unseren Mitmenschen mit relativ geringen Aufwand zurechtkommen. Wir haben uns ein Verhaltensrepertoire angeeignet und das wenden wir sicher an. So auch unser Verhalten und Denken in, auf den ersten Blick, verfahrenen Situationen.
Gern bringe ich hier das Beispiel mit dem rosa Elefanten.
Denke jetzt bitte auf keinen Fall an einen rosa Elefanten. Und? Welches Bild hast du gerade im Kopf?
Genau das ist die Erklärung für Tipp #1 „unser Mindset setzt die Grenzen“. Unser Gehirn ist stets nach der Erzeugung von Kongruenz bemüht. Wenn ich mir also denke „ich schaffe das nicht“, (um beim Beispiel des Bergabfahrens zu bleiben) „ich werde stürzen und mich fürchterlich verletzen“. Dann beschwöre ich genau diese Situation herauf. Mein Gehirn setzt alles daran, dass meine konstruierte Welt mit der Realität übereinstimmt.
Wieso diese denn dann nicht positiv gestalten? Wie wäre es denn mal mit „das schaffe ich“ oder „ich finde hier einen Weg heraus“ oder „welche Möglichkeiten gibt es denn hier noch“, statt „das geht nicht“? Wenn wir das wirklich zulassen und ganz bewusst unser Mindset in diese Richtung verändern, passiert etwas ganz Erstaunliches. Und genau das konnte ich am eigenen Leib erfahren.


Wie wäre es denn mal mit „das schaffe ich“ oder „ich finde hier einen Weg heraus“ oder „welche Möglichkeiten gibt es denn hier noch“, statt „das geht nicht“?

Tipp #2: Nutze den Körper, um deine Stimmung zu steuern


Ich habe es eben schon kurz angerissen. Unser Gehirn hat ein sehr hohes Bestreben nach Übereinstimmung. Und genau das Wissen hilft nicht nur beim Thema Mindset, sondern auch bei der Stimmungsarbeit. Klar kann ich meine Stimmung über das Mindset beeinflussen und positiv steuern. Und genau das ist so oft gar nicht so einfach.

Photo by Joey Nicotra on Unsplash

Ich habe es eben schon kurz angerissen. Unser Gehirn hat ein sehr hohes Bestreben nach Übereinstimmung. Und genau das Wissen hilft nicht nur beim Thema Mindset, sondern auch bei der Stimmungsarbeit. Klar kann ich meine Stimmung über das Mindset beeinflussen und positiv steuern. Und genau das ist so oft gar nicht so einfach.

Also warum dann nicht das Wissen um die Kongruenzbestrebungen auf anderer Ebene nutzen? Powerposing ist eines der Trendwörter, die in diese Richtung gehen. Ich stelle mich also 5 Minuten lang in einer Superman-Pose vor den Spiegel und schon fühle ich mich wie selbiger und habe mehr Selbstvertrauen. Genau an dieser Stelle erhalte ich im Optimalfall skeptische Blicke, manche halten mich wahrscheinlich aber auch für etwas verrückt, wenn ich in Superwoman-Pose vor den Teilnehmer*innen stehe. Es muss ja nicht unbedingt gleich Superman sein. Meist genügt schon ein Lächeln.

Unser Gehirn kann nicht zwischen gespielter Emotion und realer unterscheiden. Wahrgenommen werden ganz unromantisch die angespannten Muskeln und Nerven, die z.B. bei einem Grinsen angesprochen werden. Da wir in den meisten Fällen nur Grinsen, wenn wir glücklich sind, passiert folgendes im Gehirn: „oh, da werden Zygomaticus-Muskel (zieht Mundwinkel nach oben) und Augenmuskel angesprochen, also ist das mein Zeichen für positive Gefühle.“ Und dann geht der ganze hormonelle Prozess los, bei dem positive Hormone ausgeschüttet werden und unser Körper weiß genau, was zu tun ist.

Es muss ja nicht unbedingt gleich Superman sein.

Ist die Lösung für den Umgang mit stressigen Situationen wirklich so einfach?

Ja und genau das ist wirklich so einfach.
Natürlich wirst du eine emotionalen Extremlage mit 2 Sekunden Lächeln von angespannt in überglücklich transferieren. Es ist vielmehr als erster Schritt gedacht, um die Ausgangsstimmung zu verbessern. Den Rest macht dann wieder das Mindset. Und auch hier muss es gar nicht grenzenloser Optimismus sein. Es genügt ein ehrliches mal-sehen-was-die-Situation-so-bringt. Und dann hast du einen Cocktail, der alle Voraussetzungen bietet, um das Beste aus der Situation zu machen. Vielleicht klingt das für dich zu einfach. Ich habe es schon oft bei meinen Coachees angewendet. Und allein die veränderte Körperhaltung im Gespräch macht so viel mehr möglich. Eigentlich ganz simpel. Woran die meisten scheitern ist der Glaube daran, dass es funktioniert und der Wille, sich auf etwas Neues einzulassen. Aber da bin ich ja auch wieder beim Mindset.

Es genügt ein ehrliches mal-sehen-was-die-Situation-so-bringt. Und dann hast du einen Cocktail, der alle Voraussetzungen bietet, um das Beste aus der Situation zu machen.


Ich wende genau diese Tipps ja nun schon eine Weile und auch mit erstaunlichen Ergebnissen in meinen Coachings an. Doch auch ich rutsche genauso schnell wieder in alte Muster. Naja und so eben auch bei angesprochener Bergabfahrt. 10km und 1000 Höhenmeter mit engen Kurven, hohen Kanten, Steinfeldern und das alles mit einem erschreckend steilen Abhang neben dem Trail, machen die Entstehung von Zuversicht in das eigene Können nicht gerade einfach. Jetzt war ich nun einmal genau in der Situation. Da es Tag 1 war hatte ich zwei Möglichkeiten. Ich versuche irgendwie diese 3 Tage zu überleben (als Einzige kneifen, war mir dann doch zu peinlich) oder ich wende einfach mal selbst das an, was ich immer predige. Klar sind mir auch hier wieder 1000 Gründe eingefallen, weswegen das in der Situation nicht funktionieren kann. Schließlich handelt es sich ja um eine reelle körperliche Bedrohung, also um Überlebenskampf und nicht um so ein Büro-Komfortzonen-Thema.

Totaler Quatsch. Egal wo und in welchem Setting, auch der Konflikt am Arbeitsplatz kann genau diese Stresshormone auslösen.

Nun ja, ich entschied mich dafür, einmal meine eigenen Tipps auf Extremtauglichkeit zu testen und lächelte während ich die Alpen herunter fuhr. Bin ich mir dabei blöd vorgekommen? Ja, natürlich. Eigentlich wollte ich in diesem Moment lieber die Seilbahn nach unten nehmen und nicht das Fahrrad. Hat es gleich funktioniert? Nein, natürlich nicht. Da Gehirn braucht einige Zeit, um zu realisieren, was gerade passiert. Das eigentliche gut eingeübte Muster ist Angst und nicht Spaß. Also mischt sich zu Beginn, des doch sehr verkrampften Lächelns, immer mal die Angst. Aber dann heißt es: einfach wieder stur weiter lächeln. Und dann ist tatsächlich der erwünschte Effekt eingetreten. Ich bin unversehrt im Tal angekommen und hatte wahnsinnigen Spaß. Ich kann nicht mehr genau sagen, wann aus Angst Freude wurde. Aber nach ca. 10 Steilkurven und einem sehr verkrampften Lächeln, gab sich mein Gehirn wohl den sehr deutlichen Signalen der Lachmuskeln hin und stellte alles auf positiv.

Also Tipp #3: Wenn du wissen möchtest, wie es sich hinter deiner imaginären Grenze anfühlt, versuche Tipp #1 und #2.
Viel Freude dabei!

 

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