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Digitale Transformation: So gelingt Ihnen der Wandel

picture by H Heyerlein

„Wir machen jetzt auch Scrum“, entgegnet mir Martin.
„Und, wie läuft es?“, frage ich.
„Naja, so ganz können damit nicht alle etwas anfangen. Wir hatten dazu allerdings auch nur ein 3-tages Seminar in dem uns die Grundlagen vermittelt wurden. Und dann mussten wir das irgendwie umsetzen. Ich glaube den Sinn dahinter haben nicht alle verstanden.“ , sagt Martin.


Ich habe Martin gerade auf einem Kongress zum Recruiting neuer Fachkräfte kennengelernt. Er arbeitet in einer innovativen Softwarebude. Martin klagt über mangelnden Nachwuchs im Unternehmen. Sie hätten doch jetzt schon moderne Methoden, wie Scrum eingeführt und befinden sich selbst mitten in der digitalen Transformation. So wirklich positive Veränderungen könne er aber nicht erkennen….



Digitale Transformation – der Supertrend, der den Markt verändert?

Überall werden Studien, Kongresse oder Fördermittel aus dem Boden gestampft, um die Unternehmen fit für die digitale Transformation zu machen. Der Markt an Softwarelösungen explodiert und wer jetzt nicht beginnt, verliert den Anschluss. So die Medien.

Also springen viele Unternehmen, wie das von Martin, auf den Trend auf, um konkurrenzfähig zu bleiben. Somit wird wild digitalisiert und den langjährigen Mitarbeitern*innen verordnet, dass sie nun in agilen Projektteams arbeiten. Und dann funktioniert das Ganze doch nicht so richtig. Also mehr Geld für Digitalisierungsberater, um noch mehr Prozesse zu optimieren. Aber wo bleibt der Mensch?

Zunächst ist die Unterscheidung zwischen Digitalisierung und digitaler Transformation wichtig.

Digitalisierung ist ein Prozess, um analoge Daten zu digitalisieren. Stichwort papierfreies Büro. An die Digitalisierung ist oft auch eine Automatisierung gekoppelt. Also z.B. der automatische Rechnungsversand bei Auftragseingang.

Die ganze Thematik kann man mit hochintelligenten Softwarelösungen auf die Spitze treiben. Was folgt, ist das Digital Business, also ein digitales Geschäftsmodell. Dies hat jedoch wenig mit digitaler Transformation zu tun. Das ist schließlich der ganzheitliche Prozess.

Digitale Transformation= Digitalisierung + digitales Geschäftsmodell + Organisation 4.0

Nochmal zum Vergleich:

Digitalisierung= digitale Umwandlung von Informationen oder die Modifikation von Instrumenten und Geräten

Es ist ein folgenreicher Irrglaube, dass die Digitalisierung einzelner Prozesse im Unternehmen eine digitale Transformation mit sich bringt.

So innovativ und modern Ihre Ansätze für den Wandel sind. Wenn es Ihnen nicht gelingt, die Mitarbeiter*innen auf diese Reise mitzunehmen, scheitert das Vorhaben.

Gerade einmal 36% der Organisationen binden ihre Angestellten in diesen Prozess mit ein. Die Ursache dafür liegt in der Führungsebene. Wenn bei 64% der mittleren und oberen Führungsebene keine gemeinsame Strategie und Vision zu dem Thema existiert, wie soll dies dann auf die Mitarbeiter*innen übertragen werden?

Laut aktueller Studien sind gerade einmal 15% der Angestellten für Veränderungen zu begeistern. Die restlichen 85% teilen sich Skeptiker, Bremser und Verweigerer. (Strasser, 2010)

Als Führungskraft sollte ich mir dieser Herausforderung bewusst sein und die Mitarbeiter*innen bewusst in den Change Prozess einbinden.

Skepsis und auch Angst sind menschlich. Hätten wir uns als Steinzeitmenschen immer sofort voller Euphorie in alles Neue gestürzt, gäbe es uns heute wahrscheinlich nicht. Man kann davon ausgehen, dass eher die vorsichtigen Typen überlebt haben, weil sie nicht direkt voller Neugier auf das Mammut zu gerannt sind.


Emotionale Reaktionen der Mitarbeiter ernst nehmen

Das Thema digitaler Wandel wird in der Öffentlichkeit gepushed. Damit geht natürlich auch Unsicherheit einher. Es entsteht Angst in diesem Prozess überflüssig zu werden. „Wenn ich das fördere, bin ich in ein paar Jahren meinen Arbeitsplatz los und ein Computer macht dann meine Arbeit“, so die Bedenken vieler Angestellter.

Darüber hinaus müssen in solch einem Wandel eingeschliffene Verhaltensstrukturen verändert werden. Langjährig gut funktionierende Abläufe werden über den Haufen geworfen und plötzlich sollen die Mitarbeiter*innen in agilen Systemen arbeiten. Bei innovativen Führungskräften, wird der komplette Führungsstil verändert und Eigenverantwortung wird auf allen Ebenen implementiert. So sehr sich das die Angestellten auch wünschen, wird dies von heute auf morgen „eingeführt“, kann der positive Effekt auf Grund von Unsicherheiten ins Negative ausschlagen.

Wenn Sie möchten, dass Ihre digitale Transformation erfolgreich gelingt gibt es, neben den Softwarelösungen, zwei Grundregeln.

#1 Entwickeln Sie sich zur Führungskraft 4.0
weiter


Sie sind in diesem Wandel noch mehr Vorbild als sonst. Zeigen Sie, dass es auch für Sie ein Entwicklungsprozess ist. Zeigen Sie, dass auch Sie Ihr Mindset und Ihr Verhalten nur Schritt für Schritt ändern können. Zeigen Sie, dass auch Sie Fehler machen und diese zum Lernen dazu gehören.

#2 Ihre Mitarbeiter*innen bestimmen das Tempo

Mit Ihrer neuen Führungsrolle können Sie Themen anstoßen. Wie bei Ihnen ist der Prozess bei der Persönlichkeitsentwicklung und der Verinnerlichung neuer Abläufe sehr individuell. Das Tempo können Sie nicht von außen festlegen. Sehen Sie sich als Begleiter auf diesem Weg und lernen Sie gemeinsam.

Dass der Weg zur digitalen Transformation sinnvoll ist, erklärt Ihnen Politik und die eingängigen Medien schon zur Genüge. Welche Stolpersteine und typische Fehler es gibt, geht bei der ganzen Euphorie jedoch gern unter.


Vermeiden Sie diese Fehler bei der digitalen Transformation

  • Digitalisierung wird mit digitaler Transformation gleich gesetzt und der Einsatz digitaler Prozesse als Kompetenz angesehen
  • Probleme werden vor dem Hintergrund der Effizienz mit klassischen Methoden, wie Kontrolle, Hierarchie und Zielvorgaben gelöst
  • mittlere und oberste Führungsebene steht nicht hinter der Transformation
  • Führungskräfte übergehen den eigenen Entwicklungsprozess zur Führungskraft 4.0
  • es gibt kein klares Leitbild oder eine Strategie
  • das WARUM und WIE wird nicht ausreichend kommuniziert
  • die Effizienz wird vor die Entwicklung gestellt



5 Schritte zur Führungskraft 4.0

Zum Arbeiten 4.0 gehört ein neues Führungsverständnis. Die digitale Transformation erfordert eine Umstrukturierung der Prozesse, ein Neudenken der Arbeitsabläufe und ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit und Flexibilität. Das funktioniert jedoch nicht mit blinden Soldaten als Mitarbeiter*innen, denen Ziele vorgeben und das ganzheitliche Denken abtrainiert wird.


#1 Verändern Sie Ihre Wahrnehmung

Um der dynamischen Konkurrenz gewachsen zu sein, lohnt sich der Blick über den eigenen Tellerrand. Das fängt im Unternehmen an. Stellen Sie abteilungs- und themenübergreifende Teams zusammen. Diese profitieren von dem Austausch. Lernen Sie einen offenen Blick nach außen. Was machen branchenfremde Unternehmen? Was kann ich von der Konkurrenz lernen? Working out Loud Circles bieten eine perfekte Plattform für den Austausch.


#2 Vertrauen Sie Ihren Mitarbeiter*innen

Empowerment ist das Stichwort. Lösen Sie sich von dem Zwang alles kontrollieren zu müssen und übertragen Sie Ihren Mitarbeiter*innen die Verantwortung für das eigene Handeln. Ziehen Sie sich beispielsweise als Mittelsmann zwischen Kund*in und Fachkraft zurück. Lassen Sie beide direkt miteinander kommunizieren. Somit erfährt Ihre Fachkraft direktes Feedback und Sie sparen sich eine Menge Zeit.


#3 Gestalten Sie Projekte agil

Bilden Sie agile Projektteams. Mit einer strengen Planung entgeht Ihnen die Möglichkeit sich an schnell ändernde Bedürfnisse des Marktes/ der Kund*innen anzupassen. Zur Führung 4.0 gehört damit auch immer die eigene Weiterbildung zur Agilität und dem agilen Projektmanagement.


# 4 Etablieren Sie flexible Arbeitszeitmodelle

Neue Arbeitsmodelle, wie das Home-Office oder der 4-Stunden-Tag schaffen die nötige Flexibilität, die Sie brauchen. Ein weiterer Vorteil: Sie erhöhen durch das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse die Mitarbeiterbindung und Sie werden attraktiv für die Generation Y.


#5 Verändern Sie Ihre Kommunikation

Wertschätzung, Transparenz, kurze Informationswege und Kommunikation auf Augenhöhe sind einige grundlegende Einstellungen. Um den digitalen Wandel zu fördern, benötigt es einen offenen und vertrauensvollen Umgang mit den Mitarbeiter*innen. Und dieser wird durch Ihre Kommunikation sichtbar.


Der Weg ist nicht einfach. Wie bei allen schwierigen Herausforderungen lohnt er sich jedoch. Allein die Entwicklung bei sich selbst zu beobachten ist unfassbar spannend. Führung 4.0 als Grundlage für die digitale Transformation eröffnet Ihnen ein neues Weltbild. Und von diesem profitieren Sie nicht nur in Ihrem beruflichen Umfeld.



Das Gespräch mit Martin beschäftigt mich noch eine Weile. Jeder Schritt in Richtung Arbeiten 4.0 ist ein sinnvoller Schritt. Die Umsetzung aus Martins Softwarebude ist nicht ganz optimal. Aber vielleicht gehört auch dies zu deren Lernprozess dazu. Vielleicht ist es genau der richtige Weg, bei dem viele neue Ideen entstehen. Vielleicht muss auch ich weiter lernen dem Prozess zu vertrauen, um mich von dem starken Bestreben nach Perfektionismus zu lösen. Schließlich ist es ja deren Weg. Und dieser ist letztendlich hoch individuell.

 

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