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Let´s Fuck Up – konstruktives Fehlermanagement als Grundlage der Digitalisierung

Fehler

Ich bin mit meiner Selbstständigkeit zunächst ordentlich gescheitert. Ich, Mitte 20, hochmotiviert und vielleicht auch ein wenig naiv, starte in die Freiberuflichkeit. Mit eSport Events wollten wir groß raus kommen und erfolgreich werden. Ein Konzept das Gaming und Party verbindet und für Sponsoren viele Mehrwerte bietet. Muss funktionieren. Nun ja, das tat es leider nicht. Die erste Veranstaltung war mit 30 statt den geplanten 300 Gästen ein riesen Flopp und deckte noch nicht einmal annähernd die Kosten. Dann noch ein Hauch Pech mit dem Hochwasser 2013, das die gesamte gemietete Technik flutete. Und noch bevor ich das erste Jahr der Selbstständigkeit geschafft hatte, standen mir 25.000 EUR Schulden gegenüber.

Jetzt, knapp 7 Jahre später sieht die Welt ganz anders aus. Ich habe meinen Weg und Platz gefunden. Dazu gehörten jedoch 2 große und zahlreiche kleine Tiefschläge. Aber um genau dieses Scheitern bin ich sehr dankbar. Zum einen prägt es ungemein, wenn man mit 2 Kids nur Geld für Nudeln und Haferflocken hat und die Miete so lang schieben muss, bis man kurz vor der Zwangsräumung steht und zum anderen habe ich so unendlich viel in diesen Zeiten gelernt.

  1. Es geht immer irgendwie weiter und
  2. In jedem noch so großen Fehlschlag steckt immer etwas Gutes.

Um das zu entdecken gehört ein ordentliches Maß Reflexionsarbeit und ein möglichst neutraler Blick auf das Scheitern. Klar ist das schmerzhaft, aber es ist gleichzeitig auch der Samen für Innovationen.



Woher kommt unser hemmender Umgang mit Fehlern?


Wir werden mit einem negativen Blick auf Fehler sozialisiert. Es beginnt meist in der Schule. Mit jedem Fehler sinkt der Notenwert und mit vielen schlechten Noten ist die Versetzung gefährdet. Eine klassische Abwärtsspirale entsteht. Es ist kein Platz für einen sinnvollen Umgang mit Fehlern. Diese müssen schnellstmöglich korrigiert werden. Welche Gründe zu den Fehlern geführt haben, interessiert dabei selten. Klar, bei Mathe gibt es keine Kreativität. Aber wie geht es denn weiter? Im Berufsleben ist es doch selten anders. Dort werden Fehler vertuscht und verschwiegen. Allein das Drama um die „Lücke“ im Lebenslauf führt noch viel zu oft zu Absagen.
Und kommt dann im Berufsalltag doch einmal eine Fehlleistung ans Licht, drohen oft unangenehme Konsequenzen. Das wiederum führt und bestätigt uns in dem Vertuschen der Fehler. Wie schade. Dabei steckt in einem konstruktiven Umgang mit Fehlern doch so viel Potential, Innovation und ein*e motivierte*r Mitarbeiter*in.

Das passiert, wenn Fehler erlaubt sind


An meinen Trainings nehmen auch immer wieder Menschen teil, die in der IT Branche tätig sind. Entwickler*innen oder Programmierer*innen, deren Aufgabe es ist Fehler zu finden. Nur so können sie besser und das Produkt gut werden.
In diesen Teams existiert meist eine grundsätzlich fördernde Fehlerkultur.  Der tolerante Umgang mit Fehlern ermöglicht nicht nur die Optimierung meiner Produkte, sie erzeugt gleichzeitig eine sehr hohe Motivation bei den Mitarbeiter*innen.

Wenn ich den Raum habe, Fehler zugeben zu können, ohne negative Konsequenzen zu befürchten, schafft dies zunächst Vertrauen. Ein netter Nebeneffekt ist die persönliche Weiterentwicklung. Mit jedem Fehler den ich reflektiere und mir einen anderen Lösungsweg überlege lerne ich etwas. Und nur so habe ich die Möglichkeit am Ende auf ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis zu kommen. Das führt natürlich auch zu glücklichen Kunden. Mindestens genauso wichtig sind jedoch Mitarbeiter*innen, denen ich das Vertrauen gegeben habe Fehler machen zu dürfen, um daran zu wachsen. Ein Erfolgserlebnis prägt und stärkt letztendlich auch die Bindung zum Unternehmen.


Wie die Kategorisierung von Fehlern Innovationen fördert

Natürlich sind nicht alle Fehler sinnvoll und bieten Boden für Innovationen. Um den Umgang besser zu verstehen kann man sie in 2 Kategorien unterteilen:

A Fehler

A-Fehler gehören zu der Kategorie „unbedingt vermeiden“. Diese haben sich meist schon in das Verhalten eingeschlichen und man ist sich gar nicht so wirklich über deren Konsequenzen bewusst.

Sie haben sich institutionalisiert. „ so bin ich eben“ oder „das schafft doch keiner“ sind einige der typischen Wordings zu A-Fehlern. Diese Glaubenssätze kann man jedoch bearbeiten und positiv umformulieren .

Die Gründe für A-Fehler sind vielfältig und liegen oft auf der persönlichen Ebene. Daher sollte eine Vorverurteilung unbedingt vermieden werden.

Gründe:

  • Ignoranz
  • Gewöhnung
  • Desinteresse an Fehlerbeseitigung
  • Mangelnde Veränderungsbereitschaft
  • Fehlen konkreter Handlungsmöglichkeiten

A-Fehler nisten sich schnell in den Unternehmen ein. Oft bleiben sie lang unbemerkt. Letztendlich haben sie jedoch deutliche Konsequenzen auf Mitarbeiter*innen und die Kund*innen. Da A-Fehler direkte negative Auswirkungen auf die Qualität der Produkte haben, sollten sie das Kernelement des konstruktiven Fehlermanagements sein.

B- Fehler:

B- Fehler kommen überall dort vor, wo Menschen agieren. Sie passieren z.B. aus Unachtsamkeit oder einer Fehleinschätzung. Gerade letzteres gehört bei der Entwicklung eines neuen Produktes dazu. Betrete ich neues Terrain können die Prozesse nicht bis ins kleinste Detail vorhergesehen werden. Es passieren Fehler. Diese sind jedoch gerade in einem agilen Team Bestandteil der Entwicklung. Semantisch sind es Fehler. Praktisch führen sie jedoch zu einer Verbesserung. Wichtig ist also nur, aus welcher Perspektive wir auf die Fehler schauen und was wir daraus machen.

Die Gründe für B-Fehler liegen vorrangig in der fehlenden Erfahrung:

  • Unkenntnis der Rahmenbedingungen
  • Unkenntnis der Ursache-Wirkungsbeziehungen
  • Unkenntnis der Wechselbeziehungen
  • Unachtsamkeit
  • Lustlosigkeit
  • Unfähigkeit
  • falsche Einschätzung


Ein besonderes Augenmerk gilt den Routinefehlern. Mit der Standardisierung bestimmter Prozesse erhofft man sich Effizienz und eine möglichst geringe Fehlerquote. Letztendlich ist das aber überall, wo Menschen im Spiel sind nahezu unmöglich. Aber genau bei diesen Routineaufgaben kommt es irgendwann einmal zu Unachtsamkeit und Routinefehler schleichen sich ein. Oft unbemerkt. Bis sie sich verfestigen und letztendlich zu A-Fehlern werden.

Während A-Fehler sich häufig schon verfestigt haben, besteht bei früher Intervention,  eine gute Möglichkeit aus den B-Fehlern zu lernen oder sogar etwas Neues zu entwickeln. Innovation entsteht schließlich aus Neugier und einem bewussten Umgang mit dem Scheitern.

Die Grundlage für die  Kategorisierung ist ein offenes Gespräch mit meinen Mitarbeiter*innen. Alles andere wäre Spekulation. Und je nach Emphatiegrad zu den Verursacher*innen fällt meine Kategorisierung auch dementsprechend aus.  Auch hier braucht es wieder ein hohes Maß an Vertrauen für eine ehrliche Antwort. Habe ich Fehler bisher sanktioniert, kann ich nicht erwarten, dass mein Gegenüber Desinteresse als Grund zugibt. Aber auch genau diese benötigte Vertrauensbasis kann ich entwickeln.



Nur jede*r Zehnte kennt Methoden zum konstruktiven Umgang mit Fehlern.


Eine 2018 veröffentlichte Studie von EY (ehememals Erst&Young) bringt Licht in das wahre Ausmaß, wie die Fehlerkultur in Unternehmen aussieht. Fehler können passieren. Wir reagieren nicht immer gleich oder können jedes mögliche Szenario präzise prognostizieren. In Zahlen ausgedrückt: 80% geben zu in den letzten 2 Jahren einen Fehler mit schmerzhaften Konsequenzen gemacht zu haben.

Die Frage ist nun, wie gehe ich mich einem solchen Fehler um? Lediglich 45% der Angestellten sagen, dass ihre Vorgesetzten Fehler offen zugeben. Als Führungskraft fungiere ich als Vorbild. Wenn ich meine eigenen Fehltritte nicht toleriere, wird es schwer eine konstruktive Fehlerkultur zu entwickeln. Oft fehlt es uns selbst ja an konkreten Methoden. Gerade einmal 9%, also knapp jede*r Zehnte*r, weiß, wie förderndes Fehlermanagement funktioniert.

 

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