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Warum Reden gegen Grippe hilft

Es ist Anfang März. Ich sitze in der Bahn auf dem Weg nach Berlin zu einem Kommunikationstraining. Der Zug ist wie immer um diese Zeit bis auf den letzten Platz mit beruflicher Flexibilität besetzt. Ich freue mich über meine Sitzplatzreservierung und richte mich neben einem Gleichgesinnten, der konzentriert Zahlen in Excel-Tabellen tippt, ein. Nach wenigen Minuten Zugfahrt wird mir bewusst, dass ich die Reise wohl nur mit viel Glück überlebe…

Eine Reihe vor mir niest jemand. „Gesundheit“, murmel ich. Links am Fenster versucht eine gut gekleidete Frau Mitte 40 ihren Hustenanfall zu unterdrücken.
Dann bemerke ich, wo ich hier gelandet bin. Ich schaue auf die Uhr-noch 2h15 bis Berlin. Überall ein Niesen, Husten, Räuspern und Schniefen. Ich ziehe meinen Schal ein Stück höher über den Mund. „Geht weg mit euren Viren und Bakterien“, denke ich mir. Verzweifelt überlege ich, wie ich dieser Virenschleuder entkommen kann. Aber „no risk – no fun“. Leben am Limit mit der Deutschen Bahn.

Am nächsten Morgen. Voll bepackt, noch etwas müde, aber gut gelaunt komme ich 8.25 Uhr mit meiner Trainingsausrüstung bei der Dienstleistungs GmbH an. Herr Köhler, der Abteilungsleiter, empfängt mich: „Guten Morgen Frau Bodewald, ich gebe Ihnen besser nicht die Hand, bei uns geht die Grippe rum. Leider sind es daher auch 2 Teilnehmer weniger im Seminar…“

Es ist wieder soweit. Wir stecken mitten in der jährlichen Grippewelle.

Wie auch in diesem Jahr ist der Höhepunkt der Influenza zwischen KW 4 und 10 erreicht.  Nach Angaben der BKK fehlten 2018 um diese Zeit ca. 615.000 Arbeitskräfte wegen Atemwegserkrankungen.

Die Folgen sind weitreichend.

  • Produktionsausfall
  • Umsatzeinbußen
  • Lieferverzögerungen
  • Überstunden der gesunden Kollegen
  • unzufriedene Kunden wegen Ausfall oder langen Wartezeiten


So eine Grippewelle hat ordentlich Potenzial. Die angeschlagenen Kollegen schleppen sich krank ins Büro und stecken natürlich die anderen Mitarbeiter an. Überraschung: Innerhalb weniger Tage ist die halbe Abteilung krank.



Doch was tun?

Leider können wir heute Unternehmen nicht mehr wie den kleinen Tante-Emma-Laden von nebenan, wegen Krankheit schließen. Hinter jedem Tag weniger Produktivität lauert die globalisierte Konkurrenz. Und die sitzt messerwetzend um die Ecke und über unsere Grippewelle.

Also Zähne zusammenbeißen, die Mannschaft zusammentreiben, eine Medikamente-Flatrate mit der nächsten Apotheke vereinbaren und einfach irgendwie überleben?

Nein. Bitte nicht!

Klar ist: wer krank ist gehört ins Bett und nicht ins Büro. Die Folgen bei Ansteckung anderer Mitarbeiter überschlagen sich schnell.

Ist Frau Heise krank, dann schicken Sie sie mit gutem Gewissen nach Hause. Vollgedrönt mit Anti-Grippe-Mitteln kann sie ihre Fähigkeiten eh kaum abrufen.


Wie können Sie den Krankenstand im Büro verringern?

Körper und Geist sind eine Einheit. Ein dauerhaft gestresster Mensch ist anfälliger für Infekte und wird somit öfter und schneller krank.

Genau hier ist Ihre Chance einzugreifen.


5 Maßnahmen, um Stress und Krankheiten vorzubeugen

1. Stärken Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern.

Sie sehen Ihren Mitarbeitern den Stress selten an der Nasenspitze an. Nur wer Vertrauen zur Führungskraft hat, meldet rechtzeitig, wenn Überlastung entsteht. Und dann können Sie frühzeitig Alternativen entwickeln. Nutzen Sie kleine Gespräche auf dem Gang oder in der Teeküche, um zu fragen, wie es den Kindern/Hund etc. geht oder wie der letzte Urlaub war. Aber bitte nur, wenn Sie das wirklich interessiert. Ihr Gegenüber enttarnt eine halbherzige Frage schnell. Und damit erzeugen Sie letztendlich eher Misstrauen. Sie interessiert der Hund oder der Urlaub nicht? Kein Problem- irgendeine Gemeinsamkeit haben Sie garantiert. Und wenn es nur die Leidenschaft eines starken Kaffees am Morgen ist.

2. Ressourcen ausbauen

Oft ist Stress eine Folge unglücklicher Organisation. Entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter*innen bei den Themen Zeit- und Selbstmanagement. Selbst mit kleinen Maßnahmen lassen sich die Verbesserungen erzielen. Identifizieren Sie Zeitdiebe. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter*innen zur Anwendung von Zeitmanagementmethoden. Dafür genügen oft schon einfachere Modelle, wie die ABC-, Alpen- oder Pareto-Methode. Sie werden überrascht sein, wie viel Zeit sich an einem Arbeitstag durch effektives Planen sparen lässt.

3. Fördern Sie den Teamgeist

Menschen sind soziale Wesen. Eine gute Arbeitsatmosphäre vermittelt Sicherheit und erhöht damit die Konzentration. Schaffen Sie Räume für einen regelmäßigen Austausch. Oft entsteht auf Grund mangelnder Absprachen mehr Arbeit als nötig. Frau Albrecht hat sich nur kurz mit Frau Meier abgestimmt und am Ende arbeiten beide aneinander vorbei. Planen Sie also regelmäßige Teambesprechungen ein, um alle auf den gleichen Stand zu bringen. Nutzen Sie diese aber auch zum Austausch über aktuelle Probleme. Es gibt keinen größeren Motivations-Killer als negative Emotionen durch Frust oder bestehende Konflikte.

4. Klären Sie auf

Sie können nicht alles im Blick haben. Entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter*innen zu Menschen, die sich selbst umsorgen. Achtsamkeit und Resilienz sind Trendwörter, die, trotz des ganzen Hypes, Aufmerksamkeit verdienen. Stellen Sie z.B. Literatur zum bewussten Leben, Ernährung und Sport zu Verfügung oder wählen Sie einen FeelgoodmanagerIn. In jeder Firma gibt es Menschen, die sich privat viel mit Fragen rund um die Gesundheit beschäftigen. Ziehen Sie diese Mitarbeiter*innen z.B. in den Teammeetings als kurze Experten zu Rate. Sie freuen sich nicht mehr als der Öko belächelt zu werden und können über kurze Tipps Aufmerksamkeit für diese Themen schaffen. Möglichkeiten gibt es viele.

5. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran

Die Situation ist immer dieselbe. Der Schreibtisch quillt über mit Arbeit, die nächste Deadline drängt, dann muss eben jetzt mal die Arbeit vorgehen. Der Lieferdienst ist schon auf der Kurzwahltaste und die Laufschuhe stauben auch seit Wochen ein. Zu oft verschieben sich in solchen Situationen die Prioritäten. Doch der Körper schlägt zurück. Bevor Sie es wirklich bemerken, werden aus einer kurzen Notwendigkeit der Mehrarbeit, mit Fastfood, wenig Schlaf und kaum Sport, Monate. Und dann sind Sie selbst betroffen. Eine dicke Erkältung hat Sie erwischt. Aber krank zu Hause bleiben geht auf gar keinen Fall. Die Deadlines und die Kunden drängen. Also die Anti-Grippe-Mittel rausgesucht und ab ins Büro.
Doch wie sollen denn Ihre Mitarbeiter*innen Achtsamkeit und Resilienz üben, wenn Sie es als Häuptling nicht tun?
Wie soll Frau Meier mit Fieber und Bronchitis zu Hause bleiben, wenn sie Sie in jedem Gesundheitszustand im Büro sieht?
Also: Gehen Sie mit gutem Vorbild voran. Achten Sie selbst auf Ihren Körper und Ihre Gesundheit. Optimieren Sie Ihr Zeitmanagement. Und ja- auch Sie gehören mit einer Grippe ins Bett.



Der Tag bei der Dienstleistungs GmbH ist zu Ende. Wir hatten auch trotz der kleineren Gruppe einen erfolgreichen Trainingstag. Auch wenn aktuell jeder Einzelne meiner Teilnehner*innen in der Abteilung dringend als Krankheitsabdeckung benötigt wurde, stärkte ihnen Herr Köhler den Rücken, diesen Tag für die eigene Weiterbildung zu nutzen.

Im Hotel angekommen griff ich zum Handy, um meiner Familie von meinen todesmutigen Erlebnissen zu erzählen. Kurz nach dem Klingeln nahm mein Partner ab: „Ich habe die Männergrippe. Ich weiß nicht, ob ich das überlebe. Dieses Mal ist es wirklich ernst!“

 

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