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New Work, Agilität, Diversity Management – wie wär´s denn mal mit menschlich?

Picture by Ben Wicks

Ich hatte gestern Abend ein interessantes Küchengespräch mit einem guten Freund.
„Mein Chef versteht nicht, dass die Länge der Arbeitszeit nichts mit meiner Produktivität im IT Bereich zu tun hat“, sagte er. „Klar, bei Tätigkeiten in der Produktion oder im Lager bedeutet jede Stunde Arbeitseinsatz auch mehr Output. Bei geistiger Leistung kann man das doch nicht so linear sehen. So funktionieren wir doch nicht.“
Seine Worte bringen es so auf den Punkt. Und genau dieser Schmerz meiner Generation macht New Work so sinnvoll.


Kennen Sie das?
Sie interessieren sich gerade für ein bestimmtes Thema und plötzlich ist es überall. Das ist wie, wenn man Single ist. Auf einmal sieht man nur noch glückliche Paare.
So fühlt es sich aktuell bei mir bei den Trendthemen zur neuen Arbeitswelt an.
Klar, Google, Facebook und Co. haben intelligente Algorithmen, die mir Anzeigen und Posts zu meinen Interessen passend vorschlagen. Das verzerrt aber die Realität und damit die Relevanz des Themas. In meinem digitalen Universum dreht sich gerade alles um die neue Arbeitswelt. So wird es doch bestimmt allen gehen? Oder doch nicht?
Die Realität holt mich jedoch sehr schnell ein, wenn ich mich mit (mittelständischen) Unternehmer*innen und Führungskräften unterhalte. Für die sind diese Trends so gar nicht relevant.

Dort geht es vielmehr um die Bewältigung des Tagesgeschäftes und um ganz reale Probleme, wie die Bedürfnisse der Kund*innen erfüllen, Fachkräftemangel, Fluktuation oder der ständige Spagat zwischen Fach- und Führungsaufgaben. Delegieren, koordinieren, planen, strukturieren und so weiter. Wo bleibt da Zeit für die eigenen Fachaufgaben? Und vor allem wo bleibt da die Zeit für Innovation, für die benötigte Weiterentwicklung?


Die neuen Trends der Arbeitswelt 4.0 verheißen vieles. Sie schaffen gerade zumindest eine Sensibilisierung und ein das-habe-ich-irgendwo-schon-einmal-gehört-Gefühl. Und das ist genau der richtige Anfang für die dringend benötigte Veränderung.


Agilität, Diversty Management, New Work – was steckt dahinter?

New Work – neue Zeiten, neue Werte


Der Begriff wurde von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann geprägt, der sich mit den veränderten Bedingungen der künftigen Arbeitswelt auseinander setzte.
Unsere Führungsstrukturen beruhen auf den Anforderungen der Industrialisierung. Klare Hierarchien, Delegation und Kontrolle waren die Grundpfeiler eines funktionierenden Unternehmens. Wie bei meinem Küchengespräch ist das auch heute oft noch so. Ob notwendig oder sinnvoll ist ein anders Thema.
Die Welt hat sich aber geändert. Wir leben in einer Zeit des schnellen Datenaustausches, von gesättigten Märkten und der Globalisierung. Die reine Manpower wird zunehmend durch Maschinen ersetzt und der Bedarf an Kreativität und Innovationsfähigkeit wächst.
Genau das funktioniert nicht mehr mit Kontrolle und Hierarchien. Dafür benötigt es ein Umdenken der Arbeitswelt in eine neue (New Work). Und so sind die grundlegenden Werte wie Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe entstanden. Der Mensch als Arbeitskraft ist nicht mehr ausführendes Objekt, sondern vielmehr ein elementarer Teil des Ganzen.


Diversity Management – Vielfalt als Marktvorteil


Auch ein Relikt der Industrialisierung und der veralteten Arbeitswelt: Menschen die außerhalb der Norm sind passen schlecht ins Raster und in das Bild einer perfekten Arbeiter*in. Doch mit zunehmenden Bedarf an geistiger Leistung und Know How verschwimmen die Grenzen. Menschen mit Behinderung, mit Sprachbarrieren, höheren Alters oder einfach nur Querdenker werden attraktiv für Unternehmen. Innovation entsteht nicht durch die Komprimierung Gleichdenkender, sondern durch Andersartigkeit. Das Vielfaltsmanagement wird zunehmend mehr in Unternehmen zum Führungswert und kann somit eine Mehrheit der Probleme abdecken. Nicht nur die junge Absolventin mit 25 und 10 Jahren Berufserfahrung ist gefragt, sondern auch der 60-jährige mit viel Fachwissen und Expertise oder eben die gebrochen-deutsch-sprechende junge Projektmanagerin.


Innovation entsteht nicht durch die Komprimierung Gleichdenkender, sondern durch Andersartigkeit.

Agilität – Wunderwaffe der Digitalisierung


Die Agilität ist ein weiterer alter Hase unter den Führungskonzepten. Ein systemtheroretischer Ansatz aus den 1950ern,  basierend auf der Arbeit des Soziologen Talcott Parsons. Die Agilität beruht auf vier Grundannahmen:

  1. Adaption (die Fähigkeit des Systems sich ändern zu können)
  2. Zielerreichung ( die Fähigkeit klare Ziele zu definieren und zu erreichen)
  3. Kohäsion (die Fähigkeit verschiedene Elemente eines Systems zu verknüpfen)
  4. Inklusion (die Fähigkeit Zusammenhalt sicher zu stellen)


Durch mitarbeiterzentriertes Führen und stetige Lernbereitschaft (Learning Organisation) können sich Unternehmen schnell an die Bedürfnisse der Kund*innen und des Marktes anpassen. Abteilungsübergreifende Teams, zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten oder agile Methoden, wie Scrum oder Design Thinking, sind nur einige Merkmale agiler Organisationen.


So schön so gut. Diese Trends und der Hype darum ist großartig. Alles klingt bunt und toll und es lassen sich wieder eine Menge Bücher und Konferenzen zu den Themen verkaufen. Aktuell scheint das alles jedoch eine Blase der Start Up Szene und Innovatoren zu sein, die für den Alltag und die Praxis der mittelständischen Unternehmen schwer greif- und umsetzbar sind.
Die Probleme und Herausforderungen bei der Digitalisierung oder dem Fachkräftebedarf sind bei vielen identisch. Die Lösung über New Work jedoch sehr abstrakt.

Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer. Was steckt denn hinter den ganzen fancy Begriffen? Vertrauen, Gleichheit, Selbstständigkeit, Teilhabe, Vielfalt, Fehlerkultur und Freiheit.
Der Kern der Methoden ist eine offene und wohlgesinnte Kommunikation. Es ist der Wille einander wirklich zuzuhören und von- bzw. miteinander zu lernen. Es ist der Aufbruch der Hierarchien und ein Streben nach Individualität und Sinn.
Wenn man diese ganzen Schlagwörter von New Work, Agilität und Diversity Management einmal aus der Ferne betrachtet, kann man sie alle unter einem Begriff zusammenfassen: MENSCHLICHKEIT.

Picture by N.

Ja, genau. Der schnöde und unsexy Begriff „Menschlichkeit“. Letztendlich ist es genau das. Wir alle wollen nicht als planbares Objekt, sondern als Subjekt mit ganz individuellen Bedürfnissen gesehen werden. Wir alle wollen Wertschätzung erfahren und wir alle haben einen steten Willen der Weiterentwicklung.



Die Neugier nach dem Neuen, Unbekannten und die Fähigkeit aus Fehlern zu lernen. Das sind alles Werte und Eigenschaften, die wir einmal lebten. Ich sehe sie jeden Tag. Bei meinen Kindern. Wenn diese im Bach um die Ecke einen Staudamm bauen, vergessen sie alles und jeden um sich herum. Da wird mit anderen Kindern zusammen entworfen, geplant und gebaut, dessen Namen sie am Ende nicht einmal kennen.
In einer kurzen Sequenz unseres Lebens, war es uns egal, wie unsere Freunde aussahen oder welche gesellschaftliche Stellung sie hatten. Da zählte nur das gemeinsame Ziel. Und an dem wurde mit einer enormen Innovationskraft und Kreativität gearbeitet. Unabhängig von Raum und Zeit.
Die Idealvorstellung eines Angestellten oder?


Wir alle wollen nicht als planbares Objekt, sondern als Subjekt mit ganz individuellen Bedürfnissen gesehen werden.

Ja, vielleicht brauchen wir Megatrends, um diese Gedanken in die Organisationen zu tragen. Aber eigentlich sind es doch alles Themen, die jeden einzelnen von uns beschäftigen, antreiben und die wir uns wünschen.

Wir funktionieren eben nicht linear und planbar. Egal in welcher Position. Egal mit welcher Aufgabe.
Ja, es ist eine Herausforderung die Führung und die Organisationskultur einmal komplett umzukrempeln. Aber wissen Sie was? Sie können das alle. Weil Sie dazu eigentlich keine neuen Kompetenzen brauchen, sondern sich nur wieder auf alte berufen müssen.

 

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