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Aus diesem Grund können Sie sich Softskilltrainings sparen

Nik on Unsplash

Ok, ich gebe zu, der Titel ist etwas reißerisch. Und dennoch: Sie haben angefangen mit Lesen. Und darum geht es doch…Erst einmal anzufangen. Also machen wir das jetzt auch direkt und ohne Umwege mit dem Thema.

Seminare und Trainings erklären Grundprinzipien, motivieren dazu Verhalten zu erkennen, lösen Erkenntnisse aus und vermitteln Wissen. Doch bei all dem können sie nicht mehr.
Die meisten Seminare, die angeboten werden, versprechen Wunder. Doch diese Versprechen einzuhalten ist utopisch.

Ich komme gerade aus einem Training zum Umgang mit schwierigen Menschen.
– Was heißt eigentlich schwierige Menschen? Die, die anders sind? Die, die Einwände haben? Die, die nicht dem „das-macht-man-doch-so“ entsprechen? Es gibt keine schwierigen Menschen. Es gibt nur Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Wir sind diejenigen, die sie schwierig nennen, wenn wir mit ihrer Andersartigkeit nicht klar kommen. –

Ich war also bei einem Unternehmen, bei dem ich vor gut einem Jahr schon ein Training zum Ausbau der sozialen Kompetenzen durchgeführt habe. Damals gab es viele tolle Learnings und Aha-Momente. Natürlich freue ich mich immer, persönlich Rücksprache zu halten, wie es den Teilnehmer*innen ergangen ist. Zusammenfassend kommt oft ein Ergebnis dabei heraus: „Nach dem Training war ich total motiviert das Gelernte anzuwenden. Ich weiß ja auch, dass mir das helfen würde. Irgendwie verfalle ich dann aber doch wieder in alte Muster…“ Es gab also nur sehr wenig Veränderung für einen so langen Zeitraum.

Woran die Verhaltensänderung scheitert


Weil es genau das ist, was es ist. Ein Training, ein Workshop, ein Seminar. Das dauert mit viel Verkaufstalent und Sensibilität auf der Entscheidungsebene 3 bis 5 Tage. Ohne Frage, in dieser Zeit kann man viel bewirken. Viele Erkenntnisse, Erfahrungen und Learnings vermitteln. Und genau das. Mehr aber auch nicht.

Wie haben Sie denn lesen gelernt? Indem Ihnen jemand 3 Tage lang erklärt hat, wie man Buchstaben aneinander reiht und Silben bildet? Indem Sie die Erfahrung gesammelt haben, dass aus einzelnen Buchstaben Worte werden? Indem Sie erste kurze Sätze mühsam lesen konnten?
Nein, es war ein langer Prozess. Zu Beginn waren es Silben und dann einfache Sätze, bis Sie schließlich recht schnell ganze Texte und Bücher lesen konnten. So gut, dass Ihr Gehirn, die Buchstaben selbstständig ergänzt und in den richtigen Kontext setzt. Beim Lesen lernen erwartet niemand, dass eine Woche üben genügt, um komplexe Inhalte zu verstehen.

Bild: haefnerwelt


Bei sozialen und Persönlichkeitskompetenzen schon. Dort dominiert viel zu oft die Idee: „Ich kaufe mir einen möglichst teuren Kurs und dann bin ich Profi.“ Und wenn man dann feststellt, dass man nach 6 Monaten trotzdem wieder dieselben Schwierigkeiten hat, war der Kurs eben nicht gut. Und das obwohl man doch den extra teuren genommen hat.

Was passiert denn üblicherweise nach einer intensiven Trainingswoche? Ich lande im Alltag. Der übliche Druck, der übliche Stress und die üblichen Erwartungen. Und ehe ich es realisiere, bin ich wieder in meinen alten Verhaltensmustern. All das, was ich mir am Ende des Trainings vorgenommen habe, all die Motivation, die mich so beflügelt hat, versinkt im Alltagstrott.


Also können Sie sich das Geld für die Seminare auch sparen


Das können Sie. Sie können damit eine nette Woche im Urlaub verbringen. Die tut Ihnen bestimmt auch gut. Oder Sie sehen die Trainings, Workshops und Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung oder Kommunikationskompetenz als genau das an, was Sie sind. Ein Anfang.

Sie sind die Voraussetzung, um überhaupt erst einmal zu verstehen, aus welchem Grund Sie immer wieder am selben Punkt nicht weiter kommen. Sie sind der Ausgangspunkt, um zu wissen, wie es anders geht. Sie können Ihnen die Augen öffnen, um eine andere Perspektive zu sehen. Sie sind eine Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen zu testen, welche Methode am besten zu Ihnen passt. Und sie sind ein erster Schritt. Aber mehr auch nicht.
Der Rest liegt bei Ihnen.

Jeglicher Austausch mit anderen Menschen, sei es das reine Führungsverhalten oder die Kommunikation, beruht auf einer Verhaltensänderung. Und die geht eben nicht von heute auf morgen. Ähnlich, wie das Lesen lernen.
Für eine erfolgreiche Persönlichkeitsentwicklung und den gelungenen Transfer des Wissens aus dem Seminar benötigen Sie vor allem eines: ZEIT.

Und jemanden, der Sie begleitet. Ein Veränderungsprozess braucht Rücksprache, Feedback und Spiegelung. Oder starten Sie als Fahranfänger auch direkt ohne Fahrschule einen Roadtrip nach Portugal?

Nur wenn Sie diese Punkte beachten, können Sie künftig wirklich mit Erfolg auf einen positiven Entwicklungsprozess zurückblicken.
Alles andere ist netter Input, der sich schnell wieder im Alltag verliert.

Folgendes können Sie tun, um wirklich Erfolge zu erzielen


Wenn Sie meinen wirtschaftlich denkenden Traineranteil fragen, ist die Antwort klar. „Buchen Sie ein Training bei mir gefolgt von einem 6-monatigen Coaching.“
Das macht Sinn. Denn laut einer Studie von Phillippa Lally et al. dauert es im Durchschnitt 66 Tage, um neues Verhalten zu etablieren. 66 Tage tägliches Anwenden.


In keiner mir bekannten Studie gibt es Ergebnisse, dass eine tiefgehende Verhaltensänderung bereits nach 5 Tagen möglich ist.
Die Prozessbegleitung durch eine*n Coach*in ist optimal. Sie können das aber auch aus eigener Kraft schaffen.

A) Als Führungskraft bei Ihren Mitarbeiter*innen

Nehmen Sie sich Zeit. Unterstützen Sie diese bei ihrem Entwicklungsprozess. Fragen Sie nach. Schaffen Sie Anreize. Finden Sie heraus, welchen Mehrwert Ihre Mitarbeiter*innen von dem neuen Verhalten haben. Geben Sie Feedback. Kurz: Nehmen Sie die Rolle des*der Coach*in ein.

B) Bei sich selbst

Auch hier können Sie mit Ihren Coachingkompetenzen Erfolge erzielen. Die Techniken sind die gleichen. Es erfordert nur mehr Mut. Mehr Mut, nicht meinem Gegenüber den Spiegel vor zu halten, sondern selbst hinein zu schauen. Wenn Sie genau hinsehen können, sind die Ergebnisse des Selbstcoachings ähnlich wirksam. Noch besser: Suchen Sie sich noch eine zweite Person, die Ihren Spiegel hält und Sie unterstützt bei Ihrem Prozess.

Und dann…?

… dann sind Softskilltrainings auch nicht nutzlos.
Sehen Sie Seminare, Workshops oder Trainings wie meinen reißerischen Titel. Als einen Anfang. Als ein Anstoßen in die richtige Richtung. Ob das Ganze zum Erfolg wird, liegt letztendlich ganz allein in Ihrer Verantwortung.

 

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