0176 21 71 07 90
kontakt@gesinebodewald.de

TechWeek 2019

Photo by Product School on Unsplash

Ich wollte meine Komfortzone einmal wieder verlassen. Allein an einem Tag nach Frankfurt zur TechWeek und zurück. Dort kenne ich niemanden und eine Verabredung hatte ich auch nicht. Naja Networken funktioniert wohl am besten, wenn ich „gezwungen“ bin mit anderen zu reden.

Die TechWeek wirbt mit dem Slogan „das Event zur digitalen Transformation“ zu sein. Klingt genau nach dem Input, den ich brauche, um auf dem neuesten Stand zu sein. Also war meine Freude, endlich mal nicht während eines spannenden Kongresses in einem Training zu sein und meine Erwartungshaltung dementsprechend groß.



Nun ja der Tag begann sehr chaotisch. Als die Bahn kurz vor Frankfurt anhielt und wegen eines Güterzugunfalls nicht am Bahnhof einfahren konnte, begann das Abenteuer. Als ich dann 3 Stunden später (12.56Uhr) als geplant in Frankfurt ankam, hatte ich die Schnauze voll und wollte am liebsten gleich wieder nach Hause. 6 statt 3 Stunden Fahrt haben meine Vorfreude verpuffen lassen. Da die eingeschränkte Nutzung der Schienen natürlich auch für alle Züge vom Bahnhof weg galt, fuhr kein Zug in Richtung Heimat. Natürlich. Also dann doch die TechWeek

Angekommen – aber irgendwie doch nicht


Da ich mir im Vorfeld per App meinen Tagesplan mit Keynote-Präferenzen vorbereitet hatte, konnte es auch direkt mit dem ersten Vortrag losgehen. Die Lösung, das Programm mit einer App zu verbinden, empfand ich als sehr angenehm. Jetzt möchte man vielleicht meinen, dass dies ja Standard bei einer Messe zur Digitalisierung ist. Ist es aber leider nicht. Ich hatte vor ein paar Monaten das Vergnügen auf einem Kongress zur digitalen Transformation, wo es weder die Möglichkeit des Online-Ticket-Kaufes noch W-Lan vor Ort gab.  

Die erste Keynote war ironischerweise von Claudia Plattner (DB Systel). Sie berichtete von der Optimierung der Deutschen Bahn mit Hilfe der Digitalisierung. Nun ja, langweilig wird ihnen wohl nicht in den kommenden Jahren.

 Natürlich steht bei einer TechWeek die Technik im Vordergrund. Gleichzeitig ließen Keynote-Themen, wie „Automatisierung über Nacht? Viel Glück“  oder Winning the digital transformation race: How to operationalise your digital strategy“ viel Platz für Hoffnung. Diese wurden leider enttäuscht. Vielleicht bin ich mit falschen Erwartungen nach Frankfurt gefahren. Vielleicht war es aber auch der schwierige Start in den Tag und die eigene Mauer, die ich mir dadurch gebaut habe. Fakt ist: es ging inhaltlich zu 95% um die IT-Lösungen für Fortgeschrittene. Der Rest war das Übliche zur Transformation mit den üblichen Floskeln: „wir müssen die Menschen mitnehmen“ und „so etwas geht nur im Team“. Wirkliche Einblicke bzw. Erfahrungsberichte habe ich in den von mir besuchten Vorträgen leider nicht bekommen.

Mein Ziel möglichst viel Wissen zu rezipieren, um dies dann in einem Video weiterzugeben, habe ich dann also auch verworfen.

Bei all dieser frustrierenden Stimmung gab es auch Lichtblicke. Auch wenn die Keynotes nicht so in die Tiefe gingen, wie ich mir das erhoffte, hatten die meisten jedoch ein klares Statement:

Welche Rolle spielt der Faktor Mensch bei der Digitalisierung?


Die Digitalisierung ist nicht die Hürde. Software kann programmiert und optimiert werden. Die Herausforderung liegt bei den Menschen. Ich kann nicht einfach etwas digitalisieren oder automatisieren und dann davon ausgehen, dass alle begeistert und motiviert mitziehen. Der Mensch ist dazu viel zu individuell. Hat Ängste, Bedürfnisse und Wünsche. In der klassischen Managementausbildung lernen wir selten, wie wir mit solch komplexen Themen umgehen. Und die digitale Transformation ist auch noch viel zu jung, als dass wir für uns selbst schon Methoden entwickelt haben, um uns an die neuen Bedingungen anzupassen.

Es war natürlich auch inspirierend in die Entwicklerwelt einzutauchen. Gleichzeitig fühlte es sich wie eine Blase an, in der die Digitalisierung Normalität und selbstverständlich war. Die Realität, die ich in den Unternehmen erlebe, ist jedoch oft eine ganz andere. Dort stehen viele Mittelständler am Anfang. Dort geht es teilweise gerade einmal um Prozesse zum papierfreien Büro. Da ist der Schritt bei einigen von umständlichen Excel Listen und E-Mail Fluten hin zu smarten Lösungen schon ein großer.


Mich haben folgende Gedanken nun schon einige Tage bewegt. Zu einem sinnvollen Ergebnis für mich bin ich noch nicht gekommen.


Sollte gerade eine solche Messe zur digitalen Transformation nicht auch „Einsteiger*innen“ die Möglichkeit bieten, Begeisterung für das Thema zu bekommen?Andererseits ist es natürlich auch eine Fachtagung, wo es um den Austausch zu den Trends von morgen geht. Stören dort die digitalen Einsteiger*innen?

Ist es nicht wichtig, gerade weil wir beim Thema Digitalisierung noch deutlich Nachholbedarf haben jede Möglichkeit zu nutzen, um den Wissenstand zu steigern?

Mein Held des Tages war eine Heldin. Claudia Plattner. Zum einen weil sie als eine der wirklich wenigen Frauen sich in dieser IT Welt behauptet und viel mehr für ihre klaren Worte. Die deutliche Antwort auf die Frage, was bei der digitalen Transformation am schwierigsten wäre, sei der Faktor Mensch. Auch als die Frage noch einmal konkretisiert wurde und eher der IT Aspekt gemeint wäre, blieb sie beim Menschen.
Danke für diese klaren Worte. Auf dass sie in die Unternehmen getragen werden. Und auf dass der Mensch und nicht die Technik bei der Digitalisierung im Vordergrund steht.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.